Forschung: Hören für den Sprachunterricht

Forschung: Hören für den Sprachunterricht

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Der französische Hörforscher und HNO-Arzt Alfred Tomatis hat in seiner Forschung über das Hören wesentliche Beiträge zum Sprachenlernen geleistet. Oft zitiert ist seine Erkenntnis: "Der Kehlkopf gibt nur Laute von sich, die das Ohr hören kann." Wie eng Stimme und Gehör zusammenhängen, entdeckte er in seiner Arbeit mit Sängern. Wenn sie aufgrund einer Erkrankung des Ohrs nicht mehr richtig hören konnten litt auch ihre Stimme. Im Folgenden geht es darum, wie diese Tatsachen sich auf das Erlernen einer Fremdsprache auswirkt.

 

Alfred Tomatis

Alfred Tomatis (1920 - 2001) wurde in Nizza in eine italienisch-stämmige Familie von Opernsängern hineingeboren. Zuhause wurde der lokale Dialekt, das Patois gesprochen. Sein Großvater, der sich selbst Französisch beigebracht hatte, war sein großes Vorbild. Er selbst lernte erst in der Schule Französisch und tat sich damit zunächst einmal ziemlich schwer. Doch schon früh entdeckte er, dass er sich die Fakten besser merken konnte, wenn er sich das Unterrichtsmaterial selbst laut vorlas. Das war übrigens auch meine eigene Strategie - zumindest in den Fremdsprachen, Geschichte und Erdkunde. Doch zurück zum Sprachenlernen.

 

Hören ist die Grundlage

Wer kennt das nicht: Die Mühe, besondere Laute einer Fremdsprache hervorzubringen, wie zum Beispiel das englische "th". Es klingt für viele Deutsche wie ein "s" und wird folglich auch so wiedergegeben. Genau hier liegt das Problem: Dieser Laut war für den Lerner als Kind in einer Familie, die keinen Umgang mit der englischen Sprache pflegt, auch nie zu hören. Alfred Tomatis fand heraus, dass sogar das Ungeborene bereits im 5. Schwangerschaftsmonat beginnt, die Stimme der eigenen Mutter und - wenn auch undeutlicher - die Laute der Umgebung zu hören. Das könnte eine Antwort darauf sein, dass es uns so einfach fällt, unsere Muttersprache zu lernen: die Laute sind uns schon seit vor unserer Geburt vertraut. Und - sofern die Mutter während der Schwangerschaft keine anderen Sprachen spricht oder hört, ist auch das Kind nur auf diese eine "Mutter-Sprache" vorbereitet.

Tomatis entwickelte das sogenannte "elektronische Ohr" um seinen Patienten zu einem besseren Gehör zu verhelfen. In seiner Autobiografie "Das Ohr und das Leben" (Walter-Verlag, 1995) zitiert er den Kollegen André Le Gall's Urteil über weitere Möglichkeiten dieses Gerätes: "Ein Franzose kann sich - durch lange Aufenthalte in England oder aber rasch durch die Benutzung dieses Apparates - einen ausgezeichneten englischen Akzent  zulegen, doch sobald er wieder nach Paris zurückkehrt, hört und spricht er wieder Französisch." ("Die Behebung gewisser psychologischer und psychopädagogischer Mängel durch die Apparatur mit Tomatis-Effekt. März 1961). Eine modernere Variante dieses Gerätes ist zum Beispiel das ISONO-Gerät. Wie man mit dessen Unterstützung Fremdsprachen leichter lernt, beschreibe ich in einem eigenen Artikel.

Da die Arbeit von Alfred Tomatis für diese Technologie grundlegend ist, werden in den nächsten Wochen weitere Artikel über seine Arbeit erscheinen.